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Mittendrin statt nur dabei

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Als hätten wir uns heimlich in eines seiner Bilder geschlichen, stehen wir auf der Ausstellungseröffnung von Matthias Tränkle und schauen uns um. Das Gebäude, in dem sich die Galerie Clowns & Pferde befindet, könnte gut auf einem seiner Fotos zu finden sein. Ich suche nach dem Haus und finde stattdessen einige andere, die ich kenne und die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Essen-Frohnhausen, wie man es kennt. Dort vorne, ist das nicht die schäbige Bretterwand gegenüber vom Gyros-Grill?

3 Stunden ans Meer, 4 Stunden nach Paris: Essen – eine Stadt.

Eine eigentümliche Heimeligkeit empfinde ich beim Betrachten seiner Bilder, die nicht die schönsten Ecken Essens zeigen. Bilder von grauen, tristen Hausfronten wechseln sich ab mit solchen von Hinterhöfen und längst verlassenen Schaufenstern, über denen alte Leuchtreklamen ihren Dienst schon aufgegeben haben. Viel Beton, wenig Grün, einige Autos, kaum Menschen. Hier und da ein grüner Busch im Sonnenlicht, dazwischen eine einzelne Kirmesbude.  Was mag man beim Betrachten denken, wenn man nicht hier lebt? Klischee erfüllt? Und was mögen diejenigen denken, die hier leben und die mit jedem Bild, das sie bei Facebook posten, versuchen, die schönsten/grünsten/buntesten Seiten des Ruhrpotts zu zeigen? Auch ich versuche das oft, als müsste ich mich schützend vor ein kleines Kind stellen, das ungerecht behandelt wird. Dabei mag ich Essen und den Ruhrpott so, wie sie sind; unverstellt, ehrlich und ungeschminkt; so, wie hier gezeigt. Das Gefühl von Heimat.

Während sich dieses Gefühl bei einem Glas Wein noch verstärkt, bemerke ich, dass die Arbeit „Territory & Time“ von Bianca Wickinghoff und Oscar Ledesma im anderen Raum das komplette Gegenteil darstellt. Die Erde in all ihrer anonymen, leuchtenden Schönheit bildet einen starken Kontrast zu den kleinformatigen Fotos von Matthias Tränkle. Schmunzeln muss ich, als mir spontan Grobi einfällt, der blaue Zottel, wie er mir hin- und herlaufend den Unterschied zwischen „nah“ und „fern“ erklärt: „Jetzt bin ich hier in Essen, also bin ich nah“, … hechel, hechel … „und jetzt bin ich hier oben und schaue auf die Erde herab, also bin ich fern“ … hechel, hechel … Und ich bin mitten in Essen in der Galerie Clowns & Pferde, also bin ich nah. So nah, als wäre ich heimlich ins Bild geschlichen …

Die Ausstellung „3 Stunden ans Meer, 4 Stunden nach Paris: Essen – eine Stadt.“ von Matthias Tränkle läuft noch bis 15. März in der Galerie Clowns & Pferde, Frankfurter Straße 33, 45145 Essen.
Öffnungszeiten: Mi., Fr., Sa. von 18:00 bis 20:00 und nach Vereinbarung

„Aus dem Leben der Tische“

Der Tisch, ein alltäglicher Gegenstand, den wir jeden Tag auf die vielfältigsten Arten verwenden. Als Esstisch, Wohnzimmertisch, Nachttisch, Schreibtisch oder Beistelltisch erfüllt er seine Funktion mehr oder weniger beachtet in unseren Haushalten. Er ist immer da und doch nehmen wir ihn kaum noch direkt wahr. Zeit, den Blick ganz direkt auf das Objekt „Tisch“ und die damit verbundene Kultur zu lenken.

Dieser Aufgabe stellten sich 23 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, deren Werke ab kommenden Sonntag, den 17.6.2012, in der Ausstellung „Aus dem Leben der Tische“ im Museum Abtei Liesborn zu sehen sein werden.

Alle Werke beziehen sich auf den Tisch, den Mittelpunkt des Lebens, an dem so viele verschiedene Tätigkeiten ausgeführt werden, dass sie nicht alle benannt werden können. Berühmte Werke aus der Kunstgeschichte, wie das ‚Abendmahl’ von Leonardo da Vinci oder ‚Die Kartoffelesser’ von Vincent van Gogh, zeigen am Tisch versammelt Menschen bei einem gemeinsamen Mahl oder Essen. Diese beiden Bilder markieren die Entwicklung vom christlich bestimmten zu einem bürgerlichen Tisch. Und in der zeitgenössischen Kunst sind die Themen vielfältig, vom Schulleben über den Küchentisch bis hin zu mythologischen Inhalten.
(Quelle: www.museum-abtei-liesborn.de)

Folgende Künstler sind vertreten:

Ute Bartel (Objekte)
Erika Bialowons (Fotografie)
Ruth Bleakley-Thiessen (Grafik)
Corrie Dressler (Malerei)
Iven Einszehn (Installation)
Silvia Fassel (Skulptur/Installation)
Andrea Froneck-Kramer (Fotografie)
Michael Grossmann (Malerei und Grafik)
Sylvie Hauptvogel (Fotografie und Installation)
Birte Horn (Grafik)
Jae-Eun Jung (Malerei)
Matthias Langer (Fotografie)
Natalia Medebach (Fotografie/Installation)
Christa Niestrath (Installation)
Rita Oerters (Installation)
Sven Piayda (Video)
Barbara Räderscheidt (Installation)
Valerie Schmidt (Fotografie)
Elke Seppmann (Installation)
Charlotte von Elm (Installation)

Die Ausstellungseröffnung findet am 17.6.2012 um 11 Uhr statt. Währenddessen wird die Künstlerin Marion Tischler mit ihrer Aktion „Kunst am Bauch“ ihren mobilen Kunstkiosk „Kunst S:nack“ präsentieren.

Die Ausstellung läuft vom 17.6.–19.8.2012 und der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten:
Di – Fr.: 9 bis 12 Uhr und 14-17 Uhr
Samstag und Sonntag: 14 bis 17 Uhr Montags und an allen Feiertagen geschlossen

Wo? Museum Abtei Liesborn, Abteiring 8, 59329 Wadersloh-Liesborn