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Backstage bei „Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi“

Bühnenbild Wer mich kennt, wird sich verwundert die Augen reiben (bzw. die Ohren), wenn er hört, dass ich vor Kurzem ein Musical besucht habe. Denn eigentlich ist Musical nicht mein Metier. Normalerweise bin ich in der bildenden Kunst zu Hause; und wenn es dann doch mal die darstellende Kunst sein soll, dann gehe ich ins Theater – oder auch mal in die Oper. Und jetzt das: Musical!

Meine Erfahrungen mit Musicals beschränkten sich bisher auf lediglich zwei Besuche: Les Misérables vor einer gefühlten Ewigkeit in Duisburg und Gaudí in Köln. Ersteres habe ich in ganz guter Erinnerung, zweiteres fand ich schrecklich – fifty-fifty also. Deshalb war es durchaus an der Zeit, mir eine neue Meinung über Musicals zu bilden. Auslöser: eine Einladung von livekritik.de und Semmel Concerts zu einem Social-Media-Event zum Musical „Elisabeth – die wahre Geschichte der Sissi“ im Colosseum Theater in Essen. Das Spannende daran: Es stand nicht nur der Besuch des Musicals auf dem Programm, sondern außerdem noch eine Backstageführung sowie ein Meet & Greet mit den Hauptdarstellern! Das nenne ich mal eine ganz schön tolle Gelegenheit, um hinter die Kulissen zu schauen.

Und so kam es dann auch: Während der Backstageführung durften wir auf und hinter die Bühne, wild fotografieren, alle möglichen Fragen stellen und alles genau inspizieren. Dabei erhielten wir wirklich spannende Einblicke in die Produktion des erfolgreichsten deutschsprachigen Musicals. „Elisabeth“ ist ein Tour-Musical, das um die Welt reist: Shanghai – Essen – München …
15 Lkw sind erforderlich, um die komplette Produktion durch die Welt zu transportieren. Die ganze Bühne ist quasi ein Kasten, der auf die eigentliche Bühne des Colosseums draufgebaut ist. Überhaupt die Bühne: Es ist eine Drehbühne, die über sich gegenläufig drehende Scheiben verfügt und so eine starke Dynamik in das Stück bringt. Ich weiß das so genau, weil wir eine Runde damit fahren durften!

Blogger auf der Drehbühne

Wir entern die Drehbühne

Drehbühne von hinten

Die Bühne von hinten

Von der Bühne aus gelangt man in die Blackboxes, in denen die Darsteller sich binnen Sekunden umziehen müssen. Hier liegen alle Requisiten und Kostüme schon so bereit, dass sie während der Show so schnell wie möglich gegriffen bzw. angezogen werden können. Der schnellste Umzug von Elisabeth muss in unter 40 Sekunden stattfinden. In dieser Zeit muss sie nicht nur ein anderes Kleid anziehen, sondern auch ihre aufwendige Perücke wechseln. Was für ein nervenaufreibender Job.

Lebkuchenherz backstageGeldscheine backstage

Zwischen dieser Führung und der eigentlichen Aufführung hatten wir dann in einem eigens für uns vorbereiteten Raum die Gelegenheit, fleißig zu netzwerken, uns bei einem Getränk und einer Brezel zu stärken und nicht zuletzt die Handys und Kameras aufzuladen. Denn das war auch das Besondere an unserer Mission: Wir durften/sollten (anders als jeder andere Zuschauer) während des Musicals Fotos machen und twittern. Unter dem Hashtag #elisabethmusical konnten so auch diejenigen einen Eindruck vom Musical bekommen, die nicht vor Ort in der Vorstellung saßen.

Blogger bei der Arbeit

Blogger unter sich

Foyer Colosseum

Das Foyer vom Colosseum vor dem Ansturm

Foyer Colosseum Essen

Das Foyer füllt sich

Um die anderen Besucher so wenig wie möglich zu stören, waren nur für uns drei Reihen reserviert gefolgt von drei komplett leeren Reihen. So ganz wollte das aber nicht reichen, denn die Lautstärke beim Fotografieren mit analogen Spiegelreflexkameras und auch die Helligkeit von Handydisplays kam nicht so gut bei den anderen Besuchern an. Ich kann es gut verstehen. Hätte ich selbst hinter oder vor uns gesessen, ich hätte mich auch beschwert. Und so wurde nach der Pause im zweiten Akt dann nicht mehr fotografiert, sondern nur noch getwittert.

Und wie war denn jetzt eigentlich das Musical? Das ist für mich schwer zu beurteilen, da ich wenig bis keine Ahnung habe – weder von Musicals noch von der Geschichte, um die es geht. Anders als die meisten Menschen habe ich früher nie Sissi geschaut, kann also nicht einmal diese Art der „Vorbildung“ vorweisen. Eine Geschichtsniete bin ich sowieso, da hilft alles nichts.  Deshalb habe ich mir auch vorher den Plot auf Wikipedia durchgelesen, damit ich wenigstens eine grobe Ahnung habe. Anders als die Sissi-Filme, in denen es ja wohl eher süßlich-kitschig zugeht, möchte das Musical die „wahre Geschichte der Sissi“ zeigen, und es ist entsprechend düster. Denn süßlich-kitschig war das Leben der Kaiserin Elisabeth wohl doch nicht (nur).
In einem Satz zusammengefasst, liest sich der Plot so: Das Musical schildert Elisabeths (Roberta Valentini) Leben vom 15. Lebensjahr an rückblickend aus dem Totenreich erzählt von ihrem Mörder Luigi Lucheni (Kurosch Abbasi) mit dem Hauptaugenmerk auf der Liebesgeschichte zwischen Elisabeth und dem Tod (Mark Seibert).

Franz-Joseph und Elisabeth zwischen Himmel und Erde

Franz Joseph und Elisabeth zwischen Himmel und Erde

Hochzeit Franz-Joseph und Elisabeth

Die Hochzeit

Ich gehör nur mir

„Ich gehör nur mir“

Elisabeth auf der Feile

Elisabeths Sehnsucht nach dem Tod wird größer

Spiegelszene

Spiegelszene

Meiner subjektiven und wirklich überhaupt nicht fachmännischen Meinung nach haben alle Darsteller einen super Job gemacht. Ganz besonders großartig fand ich allerdings Roberta Valentini und Kurosch Abbasi. Sie haben mich mit ihrem Spiel und ihren Stimmen sehr beeindruckt.

Zum Bühnenbild lässt sich sagen, dass es im Grunde nur aus einer Projektionsfläche besteht, auf die dann die entsprechenden Bilder projiziert werden. Das hat mir einerseits gefallen, denn es bietet nicht nur die Möglichkeit, eine große Anzahl wechselnder Bilder zu zeigen, sondern vor allem auch Bilder zu projizieren, die animiert sind und sich bewegen. Eindeutig ein Vorteil gegenüber klassischen Bühnenbildern. Andererseits wirkt ein solches rein zweidimensionales Bühnenbild auch sehr minimalistisch.
Aber man darf natürlich nicht das wichtigste Utensil auf der Bühne vergessen: die Feile! Wie ein Fallbeil ragt sie in die Bühne hinein und kündet von dem drohenden Unheil. Wenn ich ehrlich sein soll, so hätte ich nicht gewusst, dass es sich dabei um eine Feile handelt, wenn man es mir nicht vorher gesagt hätte. Vielmehr hätte ich gedacht, dass es eine „Brücke“ ist, die den Übergang in das Reich der Toten darstellt. So oder so, der Unterschied ist ja nicht allzu groß. Ansonsten wird die Drehbühne sehr viel eingesetzt, was eine schöne Dynamik ins Spiel bringt.

Das abschließende Meet & Greet mit dem Ensemble rundete schließlich unseren Ausflug in die Musical-Welt ab. Die Hauptdarsteller standen uns geduldig für Fragen zur Verfügung und ließen sich fröhlich fotografieren.

Gesamtes Ensemble

Das Ensemble

Mein Fazit: Insgesamt muss ich sagen, dass mir die Arbeit der Darsteller, des Orchesters und sämtlicher Beteiligten sehr imponiert. Die stemmen da jeden Abend einen richtigen Brocken. Für Musical-Liebhaber ist Elisabeth ein absolutes Muss.
Für mich ganz persönlich gilt, dass ich wieder gemerkt habe, dass mir diese Art der Musik nicht wirklich liegt. Musical-Musik ist ja schon etwas sehr eigenes, fast schlagerhaftes. Und das meine ich nicht abwertend. Es ist nur einfach nicht so meins. Insgesamt war mir die Aufführung außerdem auch etwas zu lang. Irgendwann war mein Kopf einfach voll von den ganzen Eindrücken. Mich hat dieser Musical-Besuch ganz schön geflasht und mein Unterbewusstsein war noch sehr damit beschäftigt; sogar nachts davon geträumt habe ich.

Alles in allem war es aber ein rundum gelungener Abend mit richtig spannenden Einblicken und Eindrücken! Wer nun Lust bekommen hat, sich das Musical selbst anzuschauen, der findet alle wichtigen Infos zu Terminen etc. unter folgendem Link: das Musical Elisabeth.
Wer die besten Tweets und Posts nachlesen möchte, der findet unter folgendem Link ein Storify von livekritik: Storify zu Elisabeth.


Und zum Schluss geht nochmal ein herzlicher Dank an livekritik.de und Semmel Concerts für diesen sehr gelungenen Abend und den spannenden Blick hinter die Kulissen von Elisabeth!